Köln-Mülheim putzmunter
Mülheim, 26.03.04 - Im Rahmen der Aktionstage “Kölle putzmunter” nimmt auch die Mülheimer Müll Gruppe am bürgerschaftlichen Putztag am 26. März 2004 teil. Wir haben uns den Mülheimer Stadtgarten vorgenommen. Hier suchen viele Menschen ein wenig Ruhe und Entspannung beim Spaziergang oder Sport, auf der Wiese oder der Parkbank. Schon nach zwei Stunden haben wir fünf blaue Abfallsäcke voll. Es fällt auf, daß der Müll besonders im dichten Buschwerk dauerhaft liegen bleibt. Uns bietet sich eine bunte Palette menschlicher Hinterlassenschaften: Leere Flaschen, Dosen und Zigarettenschachteln haben wir ja erwartet. Aber Unterwäsche, Präservative und unglaubliche Mengen “Tempos” überraschen dann doch. Wir finden eine Brieftasche mit Ausweispapieren, die wenig später sogar vom Besitzer wieder in Empfang genommen werden kann. Alles in allem eine interessante Erfahrung, die einen in’s Grübeln bringt: Wieso gibt es in so einer großen Freizeitanlage keine Toiletten? Wieso nehmen wir es hin, daß Bürger mit einem Bedürfnis zum “Freiluftgeschäft” gezwungen sind? Es gab mal auf dem Wiener Platz eine städtische Toilette, die man benutzen konnte, ohne gleich einen öffentlichen Auftritt daraus zu machen. Was hat sich seitdem geändert? “Müssen” die Leute heute nicht mehr? Was soll man davon halten, daß Fußballer und spielende Kinder auf vollgeschissene Wiesen angewiesen sind, weil auch die Hundebesitzer immer wieder überrascht und überfordert sind, wenn “hinten” was aus dem Hund herauskommt? Auch ein interessantes Phänomen: Da trägt jemand eine volle Flasche in den Park und trinkt sie aus. Und während er sie leer trinkt, wird sie wunderbarerweise immer schwerer und schwerer. Bis sie am guten Ende leer ist und soooo schwer, daß man sie nicht mehr nach Hause tragen kann. Ab in die Büsche damit. Spaziergänger bleiben stehen und fragen, was wir da machen. Nach einer kurzen Erklärung die skeptische Nachfrage “Meinen Sie, das nutzt etwas? Das sieht doch nächste Woche wieder genau so aus.” Das stimmt wohl, spricht aber nicht gegen unsere Aktion. Zuhause müssen die Fenster auch immer wieder geputzt werden. Wir wollen öffentlich unsere Haltung zeigen, daß wir den Stadtteil nicht der Vermüllung überlassen wollen. Den anderen ein Beispiel geben und mit Ihnen in’s Gespräch kommen. So, wie jetzt. Und ab heute immer wieder. Geplant sind regelmäßige Säuberungsaktionen, jeweils eine im Quartal. Die nächsten Termine finden Sie unter "Terminen", ganz klar. Sie sind herzlich eingeladen, mitzumachen! Und nach all dem Müll zeigt unser Foto einen schöneren Stadtgarten-Aspekt. (rb/mmg)

Mülheim, 09.07.04 - Petrus hilft bei unserer Müllsammelaktion am 09. Juli 04 mit. Wir haben uns als aktuelle Klimaoase die Mülheimer Rheinpromenade ausgesucht. Feucht nachwischen ist bei jeder Putzaktion sinnvoll. An diesem Freitag schüttet es aber wie aus Eimern. Wir sind nach kurzer Zeit völlig durchnäßt, brechen die Aktion für heute ab, werden Sie aber in Kürze nachholen.

Mülheim, 08.10.04 - Die Mülheimer Müll Gruppe hat heute ihre Müll-Sammel-Aktion auf dem Marktplatz Berliner Straße durchgeführt. Sieben Erwachsene und fünf Kinder trugen am Platz rund um den Kulturbunker Mülheim etliche Säcke Müll aller Art zusammen. Der Kulturbunker hat uns kurzfristig mit einer Hacke ausgeholfen, da wir anders die Unmengen von Kronkorken nicht aus den Baumscheiben herausbekommen hätten. Der Platz ist als Treff- und Trinkplatz beliebt. Der Zusammenhang zwischen einer gewissen persönlichen Verwahrlosung und der Geringschätzung der Umwelt ist auch hier deutlich sichtbar. Bei Anbruch der Dunkelheit beenden wir die Aktion. Wir sind zwar stolz darauf, für ein wenig Sauberkeit gesorgt zu haben, aber alleine ein Blick auf die Markgrafenstraße hinter dem Marktplatz zeigt, dass sehr viel mehr zu tun ist. Am 14.10.04 berichten Kölner Stadt-Anzeiger und Kölnische Rundschau über unsere Aktion.

Aktion vorläufig eingestellt - Auf unserem Treffen vom 28.06.05 beschliessen wir, diese Aktion vorläufig zu beenden. Die Resonanz im Veedel hat stark nachgelassen und die verbliebenen Aktiven haben mit anderen Projekten genug zu tun. Man hat ein bischen den Eindruck, als würden sich Leute nicht nur durch's Fernsehen, sondern auch durch's Leben "zappen". Immer den Finger auf der Fernbedienung, immer bereit, dahin zu wechseln, wo es gerade am interessantesten ist. Nach einer gewissen Zeit erlahmt die Aufmerksamkeit, der nächste Programmwechsel steht an.

Die Zeiten ändern sich, wie schön. Wir nehmen dieses Jahr wieder an "Kölle putzmunter" teil und kümmern uns erneut um den Mülheimer Stadtgarten. Nach dem etwas mutlosen Jahr 2005 haben wir 2006 frischen Schwung genommen und laden alle Interessierten herzlich zum Mitmachen ein. Bitte telefonisch kurz unter 0221-9619930 anmelden, wir haben sonst evtl. zuwenig Handschuhe und andere Ausrüstung.

Der Mülheimer Stadtgarten ist in diesem Jahr wieder Ziel unseres "Putz"-Tages am Freitag, den 31.03.06. Wir konzentrieren uns auf den Eingangsbereich des Parks in Höhe des Märchenbrunnens (Foto). Dort grenzt auch das Hölderlin-Gymnasium direkt an den Park. Es ist schon erstaunlich, was direkt vor der Schultüre an leeren Zigarettenverpackungen, Alufolien und leeren Flaschen in den Büschen liegt. Wenn die werten Gymnasiasten das alles selber geraucht und getrunken haben, dann aber alle Achtung! Ist man als Gymnasiast so sehr "Elite", daß man ganz cool anderen Leuten seinen Müll vor die Füße wirft? Unser Tun auf jeden Fall wird von den dort ein- und ausgehenden Personen gleichgültig bis mißtrauisch beäugt. Gesagt hat niemand was. Es wäre nicht schlecht, wenn Lehrer und Schüler an dieser Schule aufwachen und einmal Notiz von dem Bild nehmen, daß sie nach aussen abgeben. (rb/mfg)

Weniger Arbeit und mehr Spaß
Mülheim, Donnerstag, 03.05.07. So sollte das ganze Leben sein: weniger Ärger, weniger Dreck, weniger Arbeit. Die Müll-Situation auf und rund um dem Marktplatz Berliner Strasse und den Kulturbunker Mülheim stellt sich deutlich verbessert dar. Offenbar haben die Bemühungen der Abfallwirtschaftsbetriebe und des Marktamtes Früchte getragen. (Nachdem der Kulturbunker lange genug geschimpft und geschubst hat.) Wir finden selbst in Schmuddelecken nicht mehr so viel Müll wie bei der ersten Sammelaktion auf diesem Platz. Lediglich die Zahl der Flaschenkronen scheint unerschöpflich zu sein und geht in's Unendliche. Vielleicht pflanzen die sich mittlerweile von alleine fort, wir können es kaum glauben. Tja, vor Ort sind halt noch immer viele durstige Leute mit viel Tagesfreizeit. Die wundern sich auch über unser Tun. Wir verzichten aber auf jedwede Belehrungsversuche, so daß man uns mit Sympathie begegnet. Der ein oder andere bückt sich sogar und wirft uns etwas in die Abfalltüte. Ein Mitbürger hört auf, sein Auto zu waschen und erkundigt sich angelegentlich, was wir da so treiben. Als wir dann von regelmäßigen Treffen und Mitarbeit sprechen, verliert er etwas das Interesse und setzt die Wagenwäsche fort. Sollen wir ihn jetzt darauf hinweisen, daß in Köln die Autowäsche auf öffentlichem Straßenland verboten ist? Wir lassen es beim herrschenden Platzfrieden bewenden und machen uns über die Getränke her, die uns eine freundliche Menschin vom Kulturbunker auf die Fensterbank gestellt hat. (rb/mug)
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